Um das Netto-Null-Emissionsziel zu erreichen, strebt die Schweiz eine Reduktion der Treibhausgasemissionen der landwirtschaftlichen Produktion im Inland um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 an. Die Stagnation bei der Emissionsreduktion macht jedoch deutlich, dass weitere, kosteneffiziente Massnahmen zur Emissionsminderung und zusätzlichen Kohlenstoffbindung dringend erforderlich sind. Die Grenzkostenkurve (Marginal Abatement Cost Curve, MACC) ist ein weit verbreitetes Instrument zur Ermittlung und Beurteilung solcher Massnahmen. Ihre Ergebnisse sind jedoch sehr empfindlich gegenüber den zugrunde liegenden Annahmen zur Umsetzung der Massnahmen, die selten angemessen diskutiert werden. In dieser Studie wurden zwölf, grösstenteils produktionsseitige technische Massnahmen mit jeweils bis zu drei verschiedenen Szenarien (d. h. Annahmen zur Umsetzung) identifiziert. Die Kosten und das Minderungspotenzial jeder Massnahme und jedes Szenarios wurden quantifiziert. Die Szenarien wurden in drei Kategorien eingeteilt – das Referenzszenario, ein kostengünstiges und ein kostenintensives – und es wurden drei separate MACC-Diagramme erstellt.
Die Ergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Annahmen zur Umsetzung der Massnahmen die Budgetanforderungen erheblich beeinflussen (87–1124 Mio. CHF jährlich für zwölf Massnahmen). Da mehrheitlich maximale Minderungspotenziale untersucht wurden, war deren Summe für die drei Szenarien recht ähnlich (2105–2548 kt Kohlendioxid-Äquivalente [CO2eq] pro Jahr bei zwölf Massnahmen oder 28–34 % der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen im Jahr 1990). Für einzelne Massnahmen wurden jedoch grosse Unterschiede festgestellt. Diese Unsicherheit kann die Priorisierung der Massnahmen erschweren. Es unterstreicht ferner die entscheidende Bedeutung der Transparenz hinsichtlich der zugrunde liegenden Annahmen und Daten in MACC-Studien. Folgende vier Massnahmen erwiesen sich jedoch immer als kosteneffizient: Wiedervernässung organischer Böden, Futtermittelzusätze, eine erhöhte Nutzungsdauer von Milchkühen und die N-optimierte Fütterung. Insgesamt konnte mit kosteneffizienten Massnahmen ein Minderungspotenzial von 797–1379 kt CO2eq (11–18 %) erreicht werden. Im Gegenzug waren Pflanzenkohle, Nitrifikationshemmer, Güllelagerabdeckung, Biogasanlagen und Gülleausbringung immer kostenintensiv. Einige Massnahmen weisen keine oder negative Kosten auf (z.B. erhöhte Nutzungsdauer). Die geringe Verbreitung dieser Massnahmen deutet darauf hin, dass Hindernisse, die über wirtschaftliche Faktoren hinausgehen, ihre Umsetzung behindern.