Die organische Substanz (OS) ist ein Schlüsselindikator
für die Bodenqualität. Der OS-Gehalt des Bodens wird
stark von landwirtschaftlichen Praktiken beeinflusst.
Viele landwirtschaftliche Böden haben aber einen zu
niedrigen OS-Gehalt. Für Landwirtinnen und Landwirte
ist es deshalb besonders wichtig, den OS-Gehalt gemäss
Bodenanalyse für die Wahl geeigneter Anbaumethoden
richtig zu interpretieren. Die Grundlagen für die Düngung
landwirtschaftlicher Kulturen in der Schweiz (GRUD)
liefern ein Interpretationsraster für den OS-Gehalt des
Bodens als Referenz für die Interpretation von Bodenanalysen, insbesondere im Rahmen des ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN). Dieses Raster wurde jedoch seit
den 1980er Jahren kaum angepasst. Ziel dieser Studie ist
es, die Relevanz des OS:Ton-Verhältnisses für die Interpretation des OS-Gehalts von Böden landwirtschaftlicher
Parzellen zu bewerten. Dadurch soll die Grundlage für
eine mögliche Weiterentwicklung des Interpretationsrasters der GRUD geschaffen werden. Die Ergebnisse zeigen,
dass der OS-Gehalt gemäss den GRUD selten als unzureichend eingestuft wird, auch wenn das OS:Ton-Verhältnis
dies in einem Drittel der Fälle nahelegt. Das GRUD-basierte Raster fokussierte sich bislang in erster Linie auf die
Funktion des Bodens, Stickstoff zu liefern, in Abhängigkeit von unterschiedlichen OS-Gehalten. Dadurch ist ihre
Aussagekraft für die Bewirtschaftung von Parzellen auf
der Grundlage von Bodenanalysen begrenzt. Der Einbezug des OS:Ton-Verhältnisses in die GRUD würde dagegen
standortspezifischere Informationen für eine Steuerung
der Bewirtschaftung liefern, die auf einer umfassenderen
Berücksichtigung der Bodenqualität beruht.