Die Schweiz verfolgt das Ziel, die Treibhausgasemissionen aus der inländischen landwirtschaftlichen Produktion bis zum Jahr 2050, um mindestens 40 % im Vergleich zum Stand von 1990 zu reduzieren. Dieses Ziel umfasst auch die Speicherung von organischem Kohlenstoff (Corg) in mineralischen Böden. Im Rahmen der nationalen Berichterstattung werden Veränderungen in der Corg-Speicherung dem Bereich Landnutzung zugewiesen. Um diese Corg-Veränderungen jährlich zu quantifizieren, wird seit 2019 ein Tier-3-Ansatz (höchste Komplexität, möglichst viele länderspezifische Daten) auf der Grundlage des RothC-Modells verwendet (Wüst-Galley et al. 2020 - 10.34776/as105e). Im Durchschnitt über die Jahre 1990 ̶ 2024 sind keine signifikanten Veränderungen des Corg-Vorrats für Ackerland und Dauergrünland zu beobachten. Es bestehen allerdings erhebliche jährliche Schwankungen und große Unsicherheiten.
Drei Maßnahmen und deren Potenziale zur zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung (C-Sequestrierung) werden präsentiert. Das Potenzial für mehr Zwischenkulturen ist gering (0.075 Mio. t CO2-Äquivalente (CO2-äq) Jahr-1; Keel et al. 2023 - 10.1080/17583004.2023.2244456). Es beträgt für Pflanzenkohle, wenn ausschließlich Biomasse aus der Landschaftspflege zur Herstellung verwendet wird, 0.14 Mio. t CO2-äq Jahr-1. Die zusätzliche Speicherung von C in der Baumbiomasse agroforstlicher Systeme bietet ein wesentlich größeres Potenzial (0.56 ̶ 0.60 Mio. t CO2-äq Jahr–1; Hao et al. 2026 - 10.2139/ssrn.5930065). Allerdings konnten mit den drei Maßnah-men insgesamt nur rund 25 % des Klimaziels erreicht werden.
Daher ist eine Reduktion der THG-Emissionen erforderlich. Entwässerte organische Böden verursachen etwa 10 % der landwirtschaftlichen Emissionen, aber nur 1.2 % der landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz befinden sich auf solchen Böden. Feldexperimente dienten der Untersuchung von Maßnahmen zur Verringerung der THG-Emissionen. Die alleinige Überschüttung mit mineralischem Boden hat keinen Effekt auf den Corg Abbau (Paul et al. 2024 - 10.1016/j.agee.2024.109197). Eine Reduktion der THG-Emissionen (insbesondere CO2, aber auch Lachgas (N2O)) konnte nur durch eine Kombination mit einem Anstieg des Wasserstandes erreicht werden. Aktuell ist die Wiedervernässung die einzige effektive Maßnahme. Der Anbau von Nassreis ermöglicht es, die landwirtschaftliche Produktion aufrechtzuerhalten und wird bereits erfolgreich praktiziert. Obwohl die Wiedervernässung in einem Mesokosmenversuch zu einem Anstieg der Methanemissionen geführt hat, ist die THG-Bilanz insgesamt verbessert, da die Reduzierung der CO2-Emissionen schwerer wiegt (Widmer et al., 2026 - 10.1016/j.agee.2025.110146). Würden alle organischen Böden wiedervernässt werden, könnte eine Minderung von 0.68 Mio. t CO2-äq erreicht werden. Um das Klimaziel der Schweiz im Bereich Landwirtschaft und Ernährung zu erreichen sind weitere Maßnahmen erforderlich.