Die Berglandwirtschaft im Alpenraum befindet sich
in einem Spannungsfeld: Während Klimawandel, Ernährungswandel und agrarpolitische Reformen neue
Spielräume für den Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel
in der Bergzone eröffnen, bleibt das Fördersystem auf
die Viehhaltung ausgerichtet. Die vorliegende Studie
untersucht auf Basis leitfadengestützter Interviews mit
Landwirtinnen und Landwirten sowie Expertinnen und
Experten aus der Schweiz, Österreich und Südtirol, welche Triebkräfte den Anbau von Acker- und Spezialkulturen für die menschliche Ernährung im Berggebiet fördern
oder hemmen. Die qualitative Auswertung zeigt komplexe Wechselwirkungen: Als starkes Potenzial erweist
sich die intrinsische Motivation der Landwirtinnen und
Landwirte, die über Kooperation und Retroinnovation
tragfähige Nischen schafft und zur Erhaltung der Agrobiodiversität beiträgt. Dem stehen fehlendes Know-how
in der Beratung, unzureichende Verarbeitungsinfrastruktur, Wissensverlust und eine asymmetrische Förderpolitik
gegenüber. Drei Feedbackschleifen verdeutlichen, wie
diese Faktoren ineinandergreifen und das bestehende
System stabilisieren. Die Studie zeigt, dass Acker- und
Spezialkulturen eine wertvolle standortspezifische Ergänzung der weidebasierten Tierhaltung darstellen und
die betriebliche Resilienz im Berggebiet stärken können.
Ob sich dieses Transformationspotenzial über einzelne
Pionierbetriebe hinaus entfaltet, hängt davon ab, ob Beratung, Verarbeitungsstrukturen und Förderinstrumente
gezielt weiterentwickelt werden.