Das Grasland hat eine wesentliche Bedeutung für die landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz und macht 58 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Zusätzlich wird knapp 30 % der Ackerfläche als Kunstwiesen genutzt. Nicht alle Flächen sind gleich produktiv. Um regionale Ertragsmuster sichtbar zu machen, sowie Flächen mit unterschiedlich hohem Produktionspotenzial zu identifizieren, präsentiert diese Studie einen räumlich differenzierten Ansatz zur Abschätzung der Graslandproduktivität. Der Fokus liegt auf den Grasflächen in der Tal-, Hügel- und Bergzone; das Sömmerungsgebiet wird nicht berücksichtigt.
Die Abschätzung der durchschnittlichen Graserträge (dt TS ha–1 a–1) pro Fläche erfolgt mithilfe eines mehrstufigen Modellierungsverfahrens, das Geodaten sowie Literatur- und Experten basierte Kennwerte kombiniert. Zunächst werden die durchschnittlichen Graserträge auf Basis i) der landwirtschaftlichen Nutzflächen des Jahres 2023 und ii) den Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen (GRUD2017) in Abhängigkeit von Nutzungsintensität und -art sowie Höhenstufe berechnet. Um eine Aussage über die graslandbasierte Futterproduktion machen zu können, wurden zudem iii) Lagerverluste berücksichtigt. In einer bikriteriellen Bewertung werden die ermittelten Durchschnittserträge auf Basis der standortspezifischen Faktoren, solare Einstrahlung und Trockenheit, korrigiert.
Die räumliche Analyse schätzt einen Gesamtertrag von rund 60 Mio. dt TS a–1 auf einer Fläche von 726 000 ha, der sich unter Berücksichtigung der Standortfaktoren auf circa 57 Mio. dt TS a–1 korrigiert. Je nach Höhenstufe und Nutzungsintensität variieren die modellierten Erträge zwischen 23 (extensive Nutzung) und 122 dt TS ha–1 a–1 (intensive Nutzung), beziehungsweise nach Korrektur durch die Standortfaktoren zwischen 22 und 116 dt TS ha–1 a–1. Die Studie liefert Karten mit räumlich-expliziten Ertragsschätzungen.
Daraus können sich Handlungsempfehlungen für Praxis und Politik ableiten lassen, beziehungsweise können diese bei der Planung betrieblicher Arbeitsvorgänge im Rahmen digitaler Hofmanagementsysteme Anwendung finden.