Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) ist ein zentraler Faktor für stabile landwirtschaftliche Erträge, steht jedoch aufgrund nachgewiesener Einträge in Oberflächengewässer und Grundwasser zunehmend in der Kritik. Die derzeit im Gemüsebau übliche flächige Applikation von Fungiziden und Insektiziden führt insbesondere in Reihenkulturen mit grossen Reihen- und Pflanzabständen sowie in frühen Entwicklungsstadien zu ineffizienten Applikationen, da ein erheblicher Anteil der Wirkstoffe ungenutzt auf den Boden gelangt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Applikationsverfahren zu entwickeln und zu bewerten, die eine gezieltere Ausbringung ermöglichen und gleichzeitig Umweltbelastungen wie Abdrift und Abschwemmung reduzieren.
Diese Studie untersuchte das Potenzial gezielter Applikationstechnologien, insbesondere kameragesteuertes Spotspraying von Fungiziden und Insektiziden, durch eine Kombination aus Feldversuchen, Modellierung und Driftversuchen. In den Feldversuchen wurden PSM-Einsparungen und die Reduktion des Abschwemmungspotenzials unter praktischen Bedingungen untersucht, einschliesslich des Einflusses von Puffern um einzelne Pflanzen. Modellierungsansätze wurden genutzt, um das Potenzial zur PSM-Einsparung und zur Reduktion von Abschwemmung für verschiedene Reihenkulturen, Entwicklungsstadien und Kulturdeckungsgrade abzuschätzen. Grundlage dafür bildeten Kulturparameter, die im Rahmen des Projekts erhoben wurden. Zusätzlich wurden standardisierte Driftversuche (gemäss ISO-Norm) durchgeführt, um die Driftdeposition in Windrichtung ausserhalb der behandelten Fläche zu quantifizieren und die Ergebnisse mit etablierten Referenzwerten zu vergleichen.
Die Feldversuche zeigten, dass durch gezielte Applikationen erhebliche PSM-Einsparungen bei Insektizid- und Fungizidanwendungen erzielt werden können. Durch Spotspraying konnte der behandelte Flächenanteil bei Knollensellerie und Petersilie (BBCH 16–17; Ø Pflanzendurchmesser 15–16 cm) auf 15–20 % reduziert werden, was einer PSM-Einsparung von 80–85 % entspricht, während mit Band-Applikation Einsparungen von 58–71 % erreicht wurden. Die Verwendung von Pufferzonen (3-10 cm) verringerte die PSM-Einsparung nur geringfügig, das Einsparpotenzial lag bei 68–82 %. Diese Reduktionen führten zu einer deutlichen Verringerung des Abschwemmungspotenzials, wobei Spotspraying die potenzielle Abschwemmung um bis zu 93 % und Band-Applikation um bis zu 78 % reduzierte.
Die Modellierung bestätigte diese Ergebnisse und zeigte, dass die Einsparungen stark von Kulturart und Entwicklungsstadium abhängig sind. Bei schnell wachsenden Kulturen wie Kopfsalat waren bei einer Applikation kurz nach der Pflanzung PSM-Einsparungen von bis zu 95 % möglich. Mit zunehmendem Kulturdeckungsgrad nahm dieses Potenzial jedoch rasch ab. Bei langsam wachsenden Kulturen wie Sellerie konnten hohe Einsparungen über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.
Die Driftversuche zeigten eine sehr geringe Abdrift für alle Spot-Applikationen, mit Driftwerten unter 0,01 % der Soll-Aufwandmenge und Driftreduktionen von über 99 % im Vergleich zu Referenzwerten. Diese Reduktionen sind hauptsächlich auf technische Merkmale der Geräte wie Abschirmungen und niedrige Düsenhöhen zurückzuführen. Obwohl mit einer etablierten Tracer-Technologie gearbeitet wurde, lagen die gemessenen Abdriftwerte insbesondere bei grösseren Abständen zum Feldrand unter der Quantifizierungsgrenze der verwendeten analytischen Methoden. Der Verlauf der Driftkurven bei Abständen von mehr als 5 m zum Feldrand ist daher weniger gut charakterisiert. Um die Driftreduktion dieser Spotspraying-Geräte auch in grösseren Abständen zum Feldrand zuverlässig quantifizieren zu können, sind weitere methodische Entwicklungsarbeiten erforderlich. Dazu gehören insbesondere die Identifikation geeigneter Tracersubstanzen sowie die Entwicklung entsprechend empfindlicherer Analysenmethoden.
Gezielte Applikationstechniken, insbesondere Spotspraying, sind eine wirksame Massnahme zur Reduktion des PSM-Einsatzes und der Umweltbelastung im Gemüsebau. Die Ergebnisse unterstützen zudem die Integration gezielter Applikationstechniken als anerkannte Risikominderungsmassnahme in regulatorische Rahmenwerke.