Jungtiere aus der Mutterkuhhaltung leben weitgehend naturnah und haben oft wenig Kontakt zu Menschen. Entsprechend wirken die Abläufe im Schlachthof für sie besonders ungewohnt und potenziell stressauslösend. In diesem Projekt wurde untersucht, ob ein gezieltes und wiederholtes Üben von Situationen auf dem Herkunftsbetrieb, wie sie auch in grossen Schlachtbetrieben vorkommen, dazu beiträgt, den Stress der Tiere im Schlachthof zu reduzieren. Vorgabe war das Durchlaufen eines Panelgangs sowie eine kurze Fixation auf der Waage oder im Behandlungsstand. Die Vorbereitung wurde auf fünf Mutterkuhbetrieben mit den jeweils zur Schlachtung vorgesehenen Jungtieren je mindestens dreimal durchgeführt. Alle Betriebsleitungen hatten zuvor einen Kurs in Low Stress Stockmanship (LSS) besucht, eine Methode des ruhigen, kontrollierten Treibens, die das natürliche Sozialverhalten der Rinder nutzt, um stressarm und effizient mit den Tieren zu arbeiten. Die Methode funktioniert zum Treiben eines Einzeltiers wie auch einer ganzen Herde. Mit rund zehn Monaten wurden die Tiere in einem grossen Schlachtbetrieb geschlachtet. Im Schlachthof wurden das Verhalten, der Einsatz von Elektrotreibern sowie die Blutparameter Laktat und Cortisol erfasst. Als Kontrolltiere dienten Jungrinder desselben Transportes ohne vergleichbares Training. Insgesamt gingen 38 trainierte Tiere und 37 Kontrolltiere in die Auswertung ein. Ein Unterschied zeigte sich bei den Cortisolwerten, besonders bei männlichen Tieren: Trainierte Tiere wiesen niedrigere Werte auf als Kontrolltiere. Damit deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Üben am Herkunftsbetrieb die Stressbelastung im Schlachthof verringern kann. Die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte beurteilten sowohl die Arbeit mit den Tieren als auch die dafür eingerichteten Installationen als positiv. Die Installation und die Methode können auch für weitere Massnahmen wie das Wiegen und Behandeln der Tiere hilfreich sein.