Die N-Düngegaben vor Kulturbeginn oder während des Kulturverlaufs werden unter Berücksichtigung des pflanzenverfügbaren Nmin (mineralischer N in Nitrat- und Ammoniumform), der zum Zeitpunkt der anstehenden N Düngungsmassnahme im Wurzelraum der Kultur vorhandenen ist, angepasst. Die Nmin-Bestimmung berücksichtigt das in verschiedenen Bodenschichten (0–30, 30–60 und 60–90 cm) im Ackerbau) enthaltene N in Form von Nitrat- (NO3-N) und Ammonium-Stickstoff (NH4-N). Diese werden unter Berücksichtigung der Steingehalte und der Bodendichte nach der Agroscope-Referenzmethode in den Nmin-Gehalt umgerechnet. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der aktuelle Nmin-Gehalt im Boden zeitnah gemessen wird, was verlässlicher ist als eine Formelbasierte Schätzung wie die Methode der korrigierten Norm. Der zusätzliche Arbeitsaufwand und Kosten für die Nmin-Probenahme und Analytik gelten als Nachteil im Vergleich zur Düngebedarfsermittlung nach korrigierter Norm ist. Zusätzlich liefert die Nmin-Methode nur eine Momentaufnahme des pflanzenverfügbaren N. Um eine qualitative hochwertige Düngeempfehlung nach Nmin zu erstellen, müssen verschiedene Schritte berücksichtigt werden: von der Entnahme, Lagerung, Transport, über die Bearbeitung der Bodenproben und die Analytik bis hin zur Interpretation, Berechnung und Übermittlung der Düngerempfehlungen. Im Rahmen des Projekts «CriticalN» und des Nitratprojekts «Niederbipp Gäu Olten» (NGO) wurden die ersten Schritte zur Beprobung und Analyse bereits optimiert, indem die Proben standardisiert entnommen und die Qualität der Analyse durch einen direkten Vergleich mit einem Labor bei deutschen Ringversuchen überprüft und gesichert wurden. Im Rahmen des Projekts befasst sich dieser Bericht mit den weiteren Schritten zur Interpretation, Berechnung und Übermittlung von Düngerempfehlungen. Dieser Bericht zeigt projektbasierte Verbesserungen der Nmin-Methodik und deren praktische Umsetzung, was eine zukünftige Überarbeitung der Nmin-Methode im Rahmen der Grundlagen für die Düngung unterstützen kann. Die Grundlage für die Düngebedarfsermittlung jeder Kultur ist eine Kombination verschiedener Faktoren, von denen einer der wichtigsten die Ertragserwartung und damit die potenzielle N-Aufnahme der gesamten Pflanze während der Saison ist. Dieser Wert wird als Referenzwert für den gesamten N-Bedarf der Kultur verwendet, auf den verschiedene Korrekturfaktoren angewandt werden. In der Schweiz sind für die Normdüngung Referenzwerte publiziert. In diesem Bericht werden die Norm- und Referenzwerte sowie bekannte Nmin-Sollwerte aufgeführt. Anschliessend wird die Aufteilung in den Gaben für in der Schweiz angebaute Hauptkulturen erläutert: aktuell Winterweizen, Wintergerste, Winterraps, Körner- und Silomais und Zuckerrüben. Grundsätzlich gilt, dass jegliche Düngung vom Nmin-Sollwert abgezogen werden muss und die Nmin-Messung zum Zeitpunkt der grössten Düngegabe und Relevanz erfolgen sollte. Um dieses Wissen im Projekt zu bündeln und die Interpretation, Berechnung und Übermittlung der Düngerempfehlungen für die Beratung zu erleichtern, wurde das hier vorgestellte Tabellen-Tool entwickelt. Es besteht aus vier Abschnitten: i) Die Dateneingabe, in der die notwendigen Daten (zentrale Eingabe zum Betrieb, Erfassung Hof- und Recyclingdünger, Boden, Kultur, Grunddüngung/erste N-Gabe, Zwischen- und Vorkultur) für die Berechnungen zusammengestellt und eingetragen werden; ii) Die Nmin-Berechnung, in der die Labordaten importiert und die Nmin-Werte berechnet werden; iii) Die N-Bedarfsberechnung, in der die N-Düngeempfehlung auf Grund der Eingaben und der Korrekturfaktoren berechnet werden, und schliesslich iv) die N-Empfehlung, in der die N Düngeempfehlung und wichtige Betriebsdaten zusammengestellt werden, um als Beratungsinformation abgegeben zu werden. Wenn die Gesamt-N-Düngeempfehlung über dem Normwert liegt, wird zusätzlich eine Korrektur vorgenommen. Dadurch wird die Düngeempfehlung auf den Normwert für die jeweilige Kultur begrenzt.